Wirksamkeit der Hippotherapie erneut klinisch bestätigt.

MuliHippotherapie ist einfach besser.
In einer aktuellen Studie haben Neurologen in Bad Mergentheim die Wirksamkeit von Hippotherapie einem internetbasierten e-Training gegenübergestellt.
Im Resultat wurde nachgewiesen, dass im Bereich statischen und dynamischen Gleichgewichts in beiden Gruppen eine sehr ähnliche, hoch signifikante Verbesserung erzielt wurde, während im Bereich Fatique und Lebensqualität nur in der Hippotherapie-Gruppe eine signifikante Verbesserung erzielt werden konnte (getestet bei MS-Kranken).

Dumm gelaufen für die Neurologen, denn eigentlich wollten sie beweisen, dass e-Training der Hippotherapie gleichwertig ist.

Ich zweifele allerdings die Untersuchung an, denn den Autoren sind ganz offensichtlich gravierende Fehler unterlaufen.

  • Schon die Überschrift „Ist das e-Training genau so gut wie Reiten?“ offenbart einen eklatanten Mangel an Fachwissen. Hippotherapie hat nicht das Geringste mit Reiten zu tun, denn der Patient wirkt in keiner Weise aktiv auf das Pferd ein.
  • Die von den Untersuchern angewendeten Testverfahren skalieren Gleichgewichtsparameter. Im weiteren Verlauf beschreiben die Verfasser aber isometrische Muskelkraft und Gangstabilität.
  • Immer wieder erwähnen die Autoren „therapeutisches Reiten“ und offenbaren damit, dass sie nicht im Ansatz wissen, worüber sie eigentlich schreiben. „Therapeutisches Reiten“ und Hippotherapie haben nun wirklich garnichts miteinander zu tun.
    Nochmal für Neulinge: „Therapeutisches Reiten“ ist eine psychologische Therapieform, die ohne Vorbildung und Rechtschreibkenntnisse von Jedermann durchgeführt werden darf. Hippotherapie ist ein physiotherapeutisches Behandlungskonzept. Für dessen Ausübung muss man zertifizierter Physiotherapeut mit Zusatzausbildung „Bobath“ sein, muss eine Ausbildung zum Hippotherapeuten nachweisen, zudem darf die Therapie nur auf ärztliche Rezeptierung durchgeführt werden.

Letztlich frage ich mich, wie jemand überhaupt auf die verrückte Idee kommen kann, eine übers Internet allein und einsam, ohne therapeutische Aufsicht zu Hause durchgeführte „Therapie“ könne einer im Wald, an der frischen Luft, in Gesellschaft und auf dem Pferderücken durchgeführten Therapie das Wasser reichen. Und dann Bauklötze staunen, dass Hippotherapie in Dingen wie Fatique und Lebensqualität überlegen ist. Ich komme aus dem Kopfschütteln nicht mehr raus.

Summarum ein netter, aber fehlerhaft und damit mit Vorsicht zu genießender Beweis für die Wirksamkeit der Hippotherapie.

Frevel D, Mäurer M: Internet-based home training is capaple to improve balance in multiple sclerosis: a randomized controlled trial. Eur J Phys Rehabil Med 2015; 51(1): 23-30

Veröffentlichung in der Neuro-Depesche